Über mich

1949 in Bern geboren. Lebt und arbeitet als Freischaffender in den Arbeitsgebieten Malerei und Objekte in Derendingen.

Besuche von Kunstakademien und Lehrgängen an Schulen für Gestaltung und zeitgenössischer Kunst im In- und Ausland. Seit 2004 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.

Arbeitet teils mit kunstfremden Materialien, was einen zerklüfteten Bildgrund zur Folge hat und sich mit feiner Farbgestaltung zu einem harmonischen Ganzen entwickelt.

Markus Oesch «Gebaute Bilder»

Architekturen künstlerischer Prozesse

Sind es Materialbilder? Collagen aus verschiedenen bildnerischen Schritten und Momenten? Sind es mehr Objekte denn Bilder? Dass für Markus Oesch das Material wichtig ist, zeigt sich im Gesamteindruck ebenso wie beim vertieften Blick auf und in die komplexen Texturen. «Gebaute Bilder» titelt Markus Oesch seine Bilder. Und, was offenbart sich dem Betrachter?

Ansichten wie alte Hauswände, wie immer wieder übertünchte und vielfältig geschichtete Archäologien, deren Überlagerungen aus Farbe, Material und Zeichen, Gestik und feinen Strukturen, geheimnisvollen Abdrücken, Lasuren und Verdichtungen nichts anderes sind als die empathisch ausgeschöpften Möglichkeiten, in die malerischen Tiefen eines Bildes vorzudringen. 

Markus Oesch ist ein Maler mit Leib und Seele. Ein Künstler, der sucht und entdeckt, der sich von Gefundenem, Gebrauchtem, Weggeworfenem, von Eindrücken und künstlerischen Reflexionen inspirieren und herausfordern   lässt. Ein Künstler, der geleitet von seiner unermüdlichen Neugier, die Einheit aus Raum, Fläche, Farbe und Form mit seiner Kreativität füllt. In Bern geboren, in Oekingen aufgewachsen, lebt er seit geraumer Zeit in Derendingen. Ende der 1990-er Jahre, anfangs 2000, hat Markus Oesch seinen künstlerischen Weg professionalisiert und auf zahlreichen Kunstakademien und Schulen für Gestaltung und zeitgenössische Kunst im In- und Ausland sein künstlerisches Rüstzeug vertieft; renommierte Kunstschaffende wie Gabriele Middelmann oder Jupp Linssen haben ihn auf seinem künstlerischen Weg mitgeprägt.

Dieser Weg zum Bild ist das Ziel, mit Farbe und Form, mit kunstfremdem Material und im Wechselspiel von Aufbau und Wegnehmen eine spannungsvolle Bildwirkung zu entwickeln, die aus der Tiefe der aufwendigen Schichten an die bildhafte Oberfläche dringt. Der aufwendige und komplexe Bildaufbau, die Leinwand als reflexiver Bilduntergrund, der unumstössliche Prozess der Bildentstehung ist für Markus Oesch wichtig: auftragen, abtragen, aus dem, was kommt, Neues generieren, Unbestimmtes bestimmbar machen, im Prozess Sich-offenbarendes aufgreifen, Sich-durchdringendes weiterführen, Spuren legen, Zeichen vertiefen, wieder auflösen, mit Materialien collagieren, diese auch wieder entfernen, Restspuren und Strukturen verdinglichen oder neu deuten.

Bitumen, Holz, Bleche, aufgeklebt und wieder abgerissen, hinterlassen ausgeprägte Spuren, Textiles wirkt unter den Lasuren mit sinnbildartigen Texturen, in die Schichten eingearbeitetes Granitmehl, ein Baustoffrest (!) verdichtet die formalen Geschehen in den konträren Bildwirklichkeiten. Feine Chine Collé-Blätter heben das Monumentale auf, einfache Chiffren lassen Geheimnisvolles ahnen. Zarte Graphitlinien suggerieren Geschichten, Elementares findet als zeichenhaftes Element eine neue Wertigkeit.

Zarthäutige Lasuren stehen im Gleichgewicht mit kompakten Schichten, sensible Tuschmalerei auf Japanpapier korrespondiert mit aufgetragenen und eingefügten Acrylfarben. Von der farbigen, eher dekorativen Palette hat sich Markus Oesch inzwischen gelöst. Der Einklang der erdtonigen wie natürlichen Nuancen weiss, creme, braun, schwarz verleiht seinen Arbeiten eine spröde Ästhetik und unaufgeregte Zeitlosigkeit.

Auch für seine Objekte greift Markus Oesch auf gefundene, gebrauchte Materialien zurück, gibt den kunstfremden Dingen eine neue Aussage. Zeitungsbündel, mit Farbresten übergossen und gestapelt, verwandeln sich unter der Wucht der Farben zum ironischen Sinnbild medialer Kurzlebigkeit. Aus handgesägten, schmalen Holzleisten entstehen relikthafte schlanke Stelen und diskrete Wandbildobjekte, deren Unregelmässigkeit des Regelmässigen mit dem herben Charme der Arte povera spielt.

Eva Buhrfeind, März 2015